Erfahrungsbericht - Projekt Schwimmen
Samstag, November 21st, 2009 | Author: Martin
Dezember: Die Zeit der großen Wünsche (Projekt: Schwimmen)
von Solveig Lübbe
Wir wünschen uns viele Dinge für unsere Kinder. Freuen uns, wenn ein Schritt bewältigt wird und wagen voller Zuversicht den nächsten. Im 2. Moment merken wir dann oft erst, auf was wir uns da wieder einlassen. Die ganzen Strapazen für das Erreichen des letzten Wunsches waren doch zu sehr verdrängt worden von der riesigen Freude des erreichten Zieles. Nun ist man wieder mittendrin im nächsten Großprojekt. Die ersten Zweifel kommen: Ist es nicht zu früh? Habe ich die Fähigkeiten meines Kindes überschätzt? Habe ich voller Egoismus die Wünsche meines Kindes untergraben?
Diese Einleitung könnte bei unserer Familie für viele Dinge stehen, die ich mit meiner Tochter Janina (7 Jahre) schon erlebt habe. Konkret möchte ich über unser aktuelles Projekt „Schwimmen lernen im Schwimmkurs“ berichten.

Als Janina noch klein war konnte sie nicht ins normal temperierte Bad. Es war ihr viel zu kalt. Die Möglichkeit über die Frühförderung ins 32-35 Grad warme Becken der Bodelschwinghschule in Vaihingen zu hüpfen, begeisterte sie aber von Anfang an. Einige Jahre planschten, rutschten und spielten wir im Wasser. Das war wunderbar, ich kann dies nur jedem empfehlen. Mit Beginn der Schule endete aber die Frühförderung. Ins normal temperierte Wasser ging sie immer noch nicht. So war ich sehr dankbar über den Tipp meiner Nachbarin, deren Tochter sehr gute Erfahrungen mit Sera Kiris (staatl.anerk. Sportlehrerin) gemacht hatte, mich bei ihr doch mal zu melden. So entsteht eine Mini-Gruppe mit Janina, Juliana (beide Down-Syndrom) und Julianas jüngerem Bruder Nico. Am Anfang ist es eine sehr unruhige Gruppe. Der „Warmbadetag“ ist im Vergleich zur Badewannentemperatur von Vaihingen grenzwertig kühl. Umso erstaunter bin ich, dass die unkonventionelle und wunderbar einfühlsame Art von Frau Kiris Janina dazu bringt, in dieses Wasser zu gehen. Mein Wunschgedanke, im März zu beginnen, und Ende des Sommers ein schwimmendes Kind zu haben, erweist sich natürlich als utopisch. Aber ohne Wunsch kein Weg und Janina geht fröhlich jede Woche ins Bad. Schnell lernen sie dort die korrekten Bewegungsabläufe, die Gruppe findet sich und organisiert sich richtig gut. Die Grundstimmung ist durchweg fröhlich. Juliana ruft lachend von hinten „ich bin Erste“ und setzt ihren direkten Konkurennten mit einem gekonnten Wasserspritzer in die Augen außer Gefecht, Janina kürzt einfach ab, indem sie schon vor dem Rand wieder umdreht oder ganz einfach aus dem Becken steigt. Auch enden die Versuche „übers Wasser zu laufen“ um damit abzukürzen und so schneller beim anderen Becken zu sein nicht wie erwartet. Aber alle tauchen wieder auf und am Ende gibt es eine kleine „Belohnung“. So schrumpfen die 7 Styroporteile am Gürtel schnell auf eines zusammen und das Seepferdchen ist in Sichtweite. „Danach machen wir dann mit Rückenschwimmen weiter fürs bronzene Schwimmabzeichen“… Dieser Spruch ist diesmal kein irrealer Wunschgedanke von mir, sondern ein Zitat von Frau Kiris. Hat sie sich nun auch anstecken lassen von unserer Euphorie?

Eines Tages sitze ich noch länger im Bad, und beobachte, wie nach uns ein äußerst ängstliches ca. 8 Jahre altes Mädchen, im Schlepptau ihrer genervten Mutter, zu Frau Kiris ins Bad kommt. Immer wieder muss ich zu Janina schauen. Aber nach ca. 20 Minuten sehe ich die beiden in ruhiger Stimmung bei den ersten Versuchen im Wasser. Ein Mädchen mit entspanntem, lächelndem Ausdruck auf dem Gesicht. Sicher wird auch hier bald ein Wunsch in Erfüllung gehen. Unser Ziel schimmert schon am Horizont. Ein neues Großprojekt steht vor der Umsetzung: Juliana und Janina wollen ein Instrument erlernen. Na dann mal los, jetzt ist doch die Zeit des Wünschens.
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