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Felix hat Trisomie 21 und ist (k)ein Kind wie jedes andere

Donnerstag, Mai 13th, 2010 | Author: Martin

LEUTKIRCH – Felix ist elf Jahre alt und kam als Erstgeborener und Wunsch­kind seiner Eltern 1998 in Stuttgart auf die Welt. Seine Mutter Christine war 33 Jahre jung und konnte nicht glauben, dass ihr Kind nicht so wäre, wie andere, dass ihr Sohn behindert sein würde. Die Diagnose hieß damals Downsyndrom, doch seine Mutter konnte damit nicht viel anfangen.

„Ich dachte, er spricht nicht von meinem Kind“, erzählt die Leutkircherin Christine Martin über die Erklärungen des Frauen­arztes nach der Geburt und doch wühltes sie noch heute auf, wenn die Gefühlevon 1998 hochkommen. „Ich heulte und konnte es gar nicht fassen“, so die junge Frau, die sich, wie all die anderen Mütter auf der Säuglingsstation über die Geburt doch so gefreut hatte.

Ausgerechnet ihr Kind sollte anders sein, soll Trisomie 21, das Down-Syndrom haben? Im Krankenhaus gab es damals keine psychologische Betreuung, keine ausgiebigen Erklärungen, höchstens ein wenig InfoMaterial, das man zugesteckt bekam. Jeder scheute sich, „darüber“ zu reden und der Abschlussbericht des Arztes über die „Besonderheiten ihres Kindes“ hörten sich sehr befremdend an.
Christine Martin und ihr Mann Jonathan versuchten gemeinsam, mit der schwierigen Situation zu Hause klar zu kommen. Sie hatten ihren Sohn ganz spontan Felix genannt, wie eine Art Versöhnung mit dem Schicksal, denn Felix heißt „Der Glückliche„. Die erste Zeit war sehr schwer, denn die Eltern waren mitsoVielem konfroniert und mehr oder weniger allein mit ihren Problemen. Nicht einmal in der Landeshauptstadt Stuttgart gab es eine geeignete Anlaufstelle für Fragen geschweige denn einen Elterntreff. Die Behinderungen durch Trisomie 21 waren damals in der Öffentlichkeit noch ein Tabu-Thema.

Christine Martin ergriff selbst die Initiative. Es fanden sich einige Eltern zusammen, die sich regelmäßig austauschten. 2003 wurde daraus die „Elterngruppe 46Plus“, die heute mehr als 100 Eltern zählt.„FelixwareinganzbesonderesKind. Er war so lieb, hat immer gut durchgeschlafen oder war auch schnell zu beruhigen. Ich machte Frühförderung und Krankengymnastik mit ihm und manchmal kam ich mir eher wie eine Therapeutin vor, als wie eine Mutter“, berichtet Christine Martin, gelernte Mediengestalterin, die sich über kleine Erfolge mit Felix riesig freute. Sicher, er war etwas langsamer in der Entwicklung, lernte später laufen und seine ersten Worte sprach er erst mit circa zwei Jahren.

Trisomie 21 wird publiziert

Eine Mutter und inzwischen gute Freundin aus der Eltergruppe namens Conny Wenk, verfasste ein Buch über Eltern mit Kindern mit Trisomie 21. Darin kommen Eltern mit ihren Gedanken zu Wort, dazu gibts reichlich Bildmaterial. Natürlich ist auch Felix mit seiner Mutter im diesem Buch „Außergewöhnlich“ enthalten. 2007 entstand ebenso ein hochwertiger Bildkalender mit bekannten Persönlichkeiten und diesen Kindern, auf dem auch Felix mit dem Starkoch Harald Wohlfahrt aus Baiersbronn zu sehen ist. Inzwischen ist bereits ein zweites Buch von Conny Wenk erschienen, in dem die Väter der Kinder mit Trisomie 21 zu Wort kommen. Mit drei Jahren ging Felix in einen Waldorf-Kindergarten in Stuttgart, wo er offen und gerne aufgenommen wurde. Durch den Auslandsaufenthaltseines Vaters in Irland wuchs Felix sogar eine Zeitlang zweisprachig auf. Heute, mit elf Jahren ist er im Saturday Kids English Club bei Claudia Bühler und kommt prima mit.
In Stuttgart besuchte er mit sechs Jahren eine normale Grundschule und bekam in einer Außenklasse zusätzliche Förderung durch zieldifferenziertes Lernen. Hierbei wird das gleiche Thema in unterschiedlichen Leistungsgruppen erarbeitet.

Seit Felix mit Familie 2008 nach Leutkirch gezogen ist, besucht er die vierte Klasse der Grund- und Hauptschule Kißlegg. Zusammen mit sechs anderen Kindern mit Behinderungen erhält er Zusatzförderung in der Außenklasse. „Der Schulbesuch von Felix in der normalen Grundschule fördert das soziale Miteinander und so können die Mitschüler eigene Schwächen besser akzeptieren“, ist Christine Martin überzeugt.

Keine Angst vor der Zukunft

Alle Ängste, Warnungen und Sorgen von Christine Martin, die übrigens noch zwei Töchter hat, haben sich nicht bewahrheitet, dank der Elterngruppe, der besseren Aufklärung, der engagierten Mitarbeit von Erziehern im Kindergarten, in den Schulen und nicht zuletzt dank dem Verständnis und der Aufgeschlossenheit, die zum Teil in der Bevölkerung mehr und mehr zu erkennen ist.
Felix ist ein guter Schüler und besonders liebt er das Fach Sport. Als Hobby gibt er Fußball an und spielt mit Freude in der F-Jugend des FC Leutkirch. Alle Arten von Ballspielen, Radeln, aber auch Leichtathletik machen ihm Spaß. Seit einigen Monaten lernt er mit seinen Mitschülern bei einer Musiklehrerin der Jugendmusikschule Wangen die Veeh-Harfe zu spielen.
Mutter Christine würde ihren Felix nie mehr hergeben wollen. Sie ist mit allen Herausforderung bis jetzt fertig geworden und hat auch keine Angst vor der Zukunft, denn Felix ist außergewöhnlich lebensfroh, aktiv und voller Emotionen.
Er ist ein wertvolles und vollwertiges Mitglied der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, in der Schule und in der ganzen Gemeinde.

Carmen Notz, Schwäbische Zeitung/Leutkirch

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Category: Aktuelle Informationen, Medienspiegel

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