Nicht irgendeine Geschichte, unsere Geschichte!
Nicht irgendein Lied, “Joshua´s” Lied!
Vergiss es nie: Du bist du - von Jürgen Werth
Vergiss es nie:
Dass du lebst, war keine eigene Idee
und dass du atmest, kein Entschluss von dir.
Vergiss es nie:
Dass du lebst, war eines anderen Idee
und dass du atmest, sein Geschenk an dich.
Refrain:
Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls,
keine Laune der Natur, ganz egal,
ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur.
Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu.
Du bist du, das ist der Clou, ja, der Clou.
Ja, du bist du.
Vergiss es nie:
Niemand denkt und fühlt und handelt so wie du
und niemand lächelt so, wie du´s grad tust.
Vergiss es nie:
Niemand sieht den Himmel ganz genau wie du
und niemand hat je, was du weißt gewusst.
Refrain
Vergiss es nie:
Dein Gesicht hat niemand sonst auf dieser Welt
und solche Augen hast alleine du.
Vergiss es nie:
Du bist reich, egal ob mit, ob ohne Geld,
denn du kannst leben! Niemand lebt wie du.
Refrain
Ich kenne das Lied schon lange, es hat mir schon immer gut gefallen. In der Schwangerschaft habe ich es Joshua oft vorgesungen. Meist nicht vollständig, soweit mir der Text einfiel.
Dann kam die Geburt mit jeder Menge “Zufälle”, alles lief prima, Kind gesund, alle sind glücklich und zufrieden.
Am dritten Tag kam die U2. Der Kinderarzt nahm sich viel Zeit und hatte wohl den ersten “Verdacht”.
Nicht verdächtig genug um uns schon etwas zu sagen. Etwas später kam er auf unser Zimmer und sagte etwas wie: nicht genügend Sauerstoff im Blut, etwas Gelbsucht … Wir würden Joshua gern eine Nacht auf der Intensivstation beobachten am Monitor… Sie haben jetzt 1/4 Stunde Zeit um sich zu verabschieden, dann hole ich ihn ab und er wird erstmal auf der Intensiv angeschlossen….später können Sie ihn dort nochmal sehen.
Ich drücke mein Kind, die Tränen laufen, Erinnerungen kommen hoch, meine große Tochter hatte einen Herzfehler…
Und dann fängt ein riesen Chor auf dem Flur an zu singen… Vergiss es nie… In diesen 15 Minuten!
Ich gehe mit meinem Kind auf dem Arm raus, immer noch heulend, was für ein schöner Moment!
Dann wird Joshua abgeholt.
Wir laufen durch das Krankenhaus um die Zeit totzuschlagen, begegnen nochmal dem Chor Richtung Ausgang. Ich bedanke mich für den schönen Gesang und bedauere den Text nicht bei mir zu haben. Da reißt jemand einfach das Liedblatt aus seinem Ordner und drückt es mir in die Hand!
Zwei Tage später in der Kinderklinik erhalten wir die Diagnose Trisomie 21. Unglaublich! Unvorstellbar! Doch, der Schnelltest ist ziemlich sicher. Ziemlich sicher? = Nicht sicher! …
Wieder halte ich das Liedblatt in meiner Hand, halte mich fest daran. Die Wörter springen mir entgegen und bekommen eine ganz neue Bedeutung. Eine tiefe Gewißheit, ein Zuspruch, den ich angenommen habe und der uns unser ganzes Leben begleiten wird!
Heute ist es unser tägliches Gute-Nacht-Lied, das Liedblatt ist zur Erinnerung abgeheftet, und eines Tages wird auch Joshua es mit mir auswendig singen.
Christine Cole Januar 2010