Logopädische Reittherapie - Erfahrungsbericht
Freitag, November 13th, 2009 | Author: Martin
Mara und ihr neuer Freund Lyni
Ein Erfahrungsbericht über eine Woche logopädische Reittherapie nach dem heilpädagogischen Ansatz in Isny im Allgäu
5 Lenze zählt unsere Tochter nun schon und seid wir kurz nach der Geburt erfahren haben ,dass Mara das Down-Syndrom hat, machen wir alles erdenkliche möglich, um unsere Tochter so gut es geht zu fördern. Deswegen hat uns schon sehr früh unser Weg (Mara war damals 6 Monate alt) nach Baiersbronn ins Therapiezentrum Iven geführt. In diesem Zentrum, in dem mit einem interdisziplinären Team aus Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten gearbeitet wird, haben wir einen ganzheitlichen Therapieansatz kennengelernt und haben das für uns speziell ausgearbeitete Übungsprogramm zu Hause regelmäßig und konsequent umgesetzt. Mara lernte mit Freude recht schnell alle Groß- und Kleinbuchstaben kennen und lesen und wir wurden durch ihre Lernbereitschaft recht schnell bestätigt, dass wir den richtigen Weg mit unserer Tochter eingeschlagen haben.
10 mal waren wir nun schon im Schwarzwald und im Lauf der Zeit haben wir viele Therapeuten kennen gelernt unter anderem Julia Neuhann. Frau Neuhann ist staatlich examinierte Logopädin und ausgebildete Reittherapeutin. Schon in Baiersbronn wurde uns eine logopädischen Reittherapie angeboten. Die Stunden, die Mara auf dem Pferd sehr motiviert verbracht hat, haben uns stark beeindruckt.
Frau Neuhann wechselte Mitte des Jahres aus persönlich privaten Gründen nach Isny ins Allgäu, wo sie von einer logopädischen Praxis die Leitung übernommen hat. Besonders gefreut haben wir uns, als wir erfuhren, dass Frau Neuhann auch im Allgäu die logopädische Reittherapie in Form einer kleinen Intensivwoche anbietet und ihre Arbeit in gewohnter Art und Weise nur an anderer Stelle fortsetzt.

Im September war es dann soweit. Die ganze Familie Schwarz machte sich auf den Weg ins schöne Allgäu. Wir waren gespannt, was uns da erwartet und waren voller Vorfreude. Als erstes haben wir unsere Ferienwohnung auf einem ehemaligen Bauernhof bezogen. Wir waren begeistert von der Gastfreundlichkeit der Vermieter und von der sehr gut ausgestatteten Ferienwohnung, in der wir uns gleich sehr wohl fühlten.
Montag begann dann die Intensivtherapie. Die logopädische Praxis liegt mitten in der Fußgängerzone in Isny. Mara hatte einmal täglich einen Logo-Termin in der Praxis. Zuerst wurde der momentane Entwicklungsstand von unserer Tochter ermittelt und dann haben Frau Neuhann und Mara auch gleich losgelegt. Es gab viel zu tun. Es wurden Wörter gestempelt und erlesen, Silben zusammengezogen und erlesen, Spiele gespielt und Zahlen gelernt. Frau Neuhann hat Mara sofort mit ihrer ruhigen und angenehmen Art beeindruckt und unsere Große arbeitete gut und motiviert mit. Nach der Logopädie in der Praxis machten wir uns dann zum nächsten Termin auf den Weg zum Islandpferd-Gestüt Alpenhof nach Großholzleute. Großholzleute liegt 3 km von Isny entfernt und das Gestüt erreicht man recht schnell mit dem Auto.
Nun begann für Mara das Highlight. Sie durfte zu Lyni, den Sie ja schon in Baiersbronn kennen gelernt hat. Mara hatte nun täglich die ganze Woche über eine Stunde logopädische Reittherapie.
Die Wirkung dieser „Bewegten Logopädie“ auf unsere Tochter war fast unglaublich. Unser Kind hatte anfangs große Probleme das Pferd anzufassen. Die Angst war sehr groß. Zu erwähnen wäre noch, dass Mara selbst vor kleinen Kaninchen riesige Angst hat und diese nur mit dem kleinen Finger gestreichelt hat. Man muss sich dann ungefähr vorstellen, wie groß die Angst wohl bei diesem Pferd war, als Mara Lyni zum ersten Mal gegenüberstand.
Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen wurde von Frau Neuhann die Hemmschwelle bei Mara gebrochen. Langsam und vorsichtig wurde sie an das Pferd herangeführt. Sie durfte es anfassen, streicheln, putzen und sogar führen. Der Bann zwischen Mara und dem Tier wurde schnell gebrochen. Unser Kind fasste Vertrauen.
Wie eine Große saß unsere Maus auf dem Pferd, stolz und voller Freude. Während Julia ihren Isländer durch die Halle führte, gab es immer wieder Stopps. Sobald das Pferd anhielt wusste Mara, dass Sie nun Laute, Silben und Wörter nachsprechen muss. Es wurde die Artikulationsgenauigkeit geübt und dank der tollen Körperspannung, die Mara auf dem Pferd entwickelte, fiel ihr die Aussprache im Lauf der Woche immer leichter. Besonders aufgefallen ist uns, dass das Schnalzen anfangs der Therapie Mara sehr schwer gefallen ist, die Zunge lag alles andere als richtig und ragte während der Schnalzübung aus dem Mund heraus. Bis zum Ende der Therapie hin hat die Zunge durch viel Üben ihren richtigen Platz gefunden. Auch mein Mann freut sich mittlerweile riesig, dass er von Mara nicht mehr mit „Papa Feffen“ sondern mit „Papa Steffen“ angesprochen wird.

Die Stunden auf dem Pferd vergingen im Lauf der Woche wie im Flug. Mit hochroten Backen stieg unsere Mara am Ende der Stunden vom Pferd und war stolz wie Oskar, als sie Lyni noch sein Müsli (Futter) verabreichen durfte.
Nach der Reittherapie war Maras Appetit besonders groß und auch sie freute sich riesig über das Mittagessen.
Da die 2 täglichen Therapietermine meist vor- oder nachmittags stattfanden und Frau Neuhann darauf viel Wert gelegt hat uns die Termine möglichst hintereinander zu geben haben wir als Familie noch viel Zeit für Freizeitunternehmungen gehabt und wir konnten das Allgäu erkunden. So wurde aus einer Intensivtherapie auch gleichzeitig eine wunderschöne Urlaubswoche.
Zum Ende der Woche wurde dann noch ein Übungsprogramm für zu Hause ausgearbeitet. Julia hat viel gebastelt und gezeichnet und sich wirklich ausgiebig und intensiv bemüht. Sie hat uns viele Anregungen und Übungsmaterial mit auf den Weg gegeben. Sie hat auch immer ein offenes Ohr, wenn man Probleme hat. Schließlich ist die Aufgabe als Mama eines besonderen Kindes nicht immer ganz einfach und mit viel Verständnis und Einfühlungsvermögen machte Frau Neuhann mir Mut und bestärkte mich bzw. uns in unserer Vorgehensweise.

Wir werden im Januar wieder eine Woche im Allgäu verbringen! Wir und besonders Mara freuen uns schon jetzt darauf.
Mittlerweile sind Lyni und Julia ein fester Bestandteil in Maras Leben geworden. Lyni darf zu Hause in Miniaturform von Schleich während dem Essen am Tisch bei uns stehen und immer wieder beginnt sie von den tollen Erlebnissen mit ihrem neuen Freund zu erzählen. Auch während den Übungen zu Hause arbeitet Sie motiviert mit.
Wir sind einfach nur begeistert von dieser Form der Intensivtherapie und von Frau Neuhanns Arbeit. Wir können eine solche Woche im Allgäu allen Familien mit einem Kind mit Down-Syndrom nur wärmstens weiter empfehlen.
Weitere Infos unter http://bewegte-logopaedie.de

