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Tims Selbstbehauptungskurs

Sonntag, August 17th, 2008 | Author: 46PLUS

Selbstbehauptungskurs für Jungen und Mädchen von 6 bis 11 Jahren im Haus der Familie an der Neuen Weinsteige.

Wir kennen uns ja eigentlich noch gar nicht, Tim, neun Jahre und ich. Aber dass die Mama mich kennt, erleichtert ihm die Sache doch etwas. Jetzt drückt er sie noch mal – und noch mal ganz fest, dann steht auch Tim mit noch zehn anderen Kindern im Kursraum.

Es ist meine erste Erfahrung mit einem größeren Kind mit Down Syndrom, meine eigene Tochter Lin ist noch keine drei Jahre alt.

Am Anfang nimmt Tim noch gerne meine Hand. Das Aufwärmspiel: Jägerball. Ich nehme Tim unter meine Fittiche, bin ich zu fürsorglich? Tim ist voll dabei, er kann das Spiel, er kennt die Regeln.

Danach kommt meine übliche Fragerunde: wie möchtest du im Kurs behandelt werden? Auch Tim trägt seine Wünsche vor und ich freue mich, dass er sich so gut ausdrücken kann, denn ich denke auch an Lin, die gerade eifrig ihre ersten Worte lernt.

In der 2. Stunde bringe ich einen kleinen Stofflöwen und ein Mäuschen mit: zwei Modelle für Verteidigung: Angriff und Flucht. Wir piepsen wie die Mäuschen und brüllen wie die Löwen. Da hält Tim sich die Ohren zu, das kann er gar nicht leiden. Als wir in der Runde üben „Nein“ und „Laß mich in Ruhe“ und „Hör auf“ zu sagen, geht ihm die aggressive Stimmung auf die Nerven. Mit den Händen auf den Ohren sucht er sich eine entferntere Ecke.

Wir üben Befreiungstechniken. Tim möchte nicht mit den anderen üben. Aber als ich ihn auffordere, lacht er vergnügt und zeigt, dass er genau aufgepasst hat.

In der 5. Stunde wärmen wir uns mit kleinen Wettkämpfen im Schieben, Drücken und Niederringen auf. Tim und ich, wir trainieren wieder zusammen – und das ist wirklich der Hit: es macht ihm große Freude, seine Kräfte an mir auszuprobieren.

Mittlerweile braucht er für die Anfangsspiele auch nicht mehr meine Hand.

Wenn die anderen zu lange üben oder beim Nachspielen von verschiedenen „unangenehmen“ Situationen, zieht er sich still zurück und baut aus den kleinen Stühlen und den Spielkissen, die noch im Raum sind, seinen eigenen Spielplatz.

Auch auf Handkanten- und Ellbogenschläge, die wir in der 5. Stunde einem Petsiball verabreichen, hat er erstmal keine Lust.

Bei der Wiederholung in der 6. Stunde dagegen ist er voll dabei. Da ist das Eis gebrochen. Tims Vergnügen, sich körperlich auszuprobieren überwiegt die Angst unter die Räder zu kommen. Bei der „Angriffsschlange“, bei der jedes Kind die geübten Hebel- und Krafttechniken mit verschiedenen „Angreifern“ ausprobieren kann, mischt er fröhlich mit.

In den Trinkpausen hat Tim begonnen, die übrigen Attraktionen im Haus der Familie zu erkunden: Wasserbälle, Riesenlaster, Ringe, etc., etc. Leider bleibt ihm dafür nicht viel Zeit.

Bei unserem abschließenden Rollenspiel zu der kleinen Geschichte vom „Nordwind und der Sonne“ hat Tim die Rolle der Sonne gewählt. Auf dem Fensterbrett sitzend, schaut er dem Treiben der anderen zu.

Für mich war der Kurs mit Tim ein gelungenes Beispiel dafür, wie ein Kind für sich selber sorgt; wie er mit den widerstrebenden Kräften von Interesse, Vorsicht , Freude, Angst und eigenen spontanen Spielwünschen umgegangen ist und immer dafür gesorgt hat, dass ihm die Freude am Kursgeschehen erhalten bleibt.

Ismene Schell (Mitglied bei 46PLUS)

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Category: Erfahrungsbericht

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