Leben
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In: Stuttgarter Zeitung
Datum: 28. Oktober 2005
Autor: Thomas Schwarz

Ein Bildband mit Charme gegen Intoleranz

Waiblingen. "Unsere Kinder leiden nicht am Down-Syndrom, wir Eltern leiden an der Reaktion der Umwelt." Drei Mütter, die sich im Verein 46plus Stuttgart engagieren, haben in der Waiblinger Stadtbücherei über ihre Erfahrungen berichtet.

Für die Eltern bricht erst einmal eine Welt zusammen, wenn bei ihrem neugeborenen Kind ein Down-Syndrom diagnostiziert wird. Mindestens genauso groß ist jedoch die Kränkung, wenn sich Freunde, Verwandte oder sogar die Hebamme abwenden, statt zur Geburt zu gratulieren.

Conny Rapp ist es so ergangen. "Als unsere Tochter Juliana vor vier Jahren geboren wurde, war der Schock erst einmal groß." Zu allem hin habe man ihr im Krankenhaus als einzige Information einen alten "Pschyrembel" hingelegt. "Mongoloide Idiotie" wurde die Behinderung darin noch genannt. "Das war ziemlich niederschmetternd." Doch Conny Rapp ließ sich durch solch idiotisches Verhalten nicht beirren: Die Stuttgarterin liebt ihre Tochter über alles und setzt nun mit anderen Müttern auch alles daran, Vorurteile abzubauen und anderen Eltern in ihrer Situation zu helfen.

Ihr sei aufgefallen, dass in allen Büchern zum Down-Syndrom nur unvorteilhafte Bilder gezeigt wurden. So entstand die Idee zu dem Bildband "Anders als gewöhnlich – außergewöhnlich", aus dem sie und zwei weitere Mütter, die über ihre Kinder geschrieben haben, in der Waiblinger Stadtbücherei las. Neben Texten sind in dem Buch 97 Fotografien von 15 Müttern mit ihren Kindern zu sehen, die bei den Aufnahmen sichtlich ausgelassen waren. Conny Rapp hat mit der Kamera Momente festgehalten, die Lebensfreude und Glück ausstrahlen, die wie in "normalen" Familien zum Alltag gehören.

"Für mich ist sie das bezauberndste Geschöpf dieser Welt", sagt Conny Rapp über ihre Tochter. "Unsere Kinder leiden nicht am Down-Syndrom, wir Eltern leiden an der Reaktion der Umwelt." Der Verein 46plus Stuttgart, der aus einer Elterngruppe entstanden ist, hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Gesellschaft besser aufzuklären. Dazu zählen Informationstage und Lesungen wie in Waiblingen. Man kann sich auch direkt an den Verein wenden, denn Fragen zum Alltag gibt es genug, sei es etwa, wenn es um die Wahl des Kindergartens oder der Schule geht. Auch gebe es eine Vielzahl von Therapien für Kinder mit Down-Syndrom, die alle völlig unterschiedlich seien. "Manchmal weiß man da nicht mehr, wo einem der Kopf steht." Da helfe nur eines: ausprobieren.

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