Leben
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In: Waiblinger Kreiszeitung
Datum: 28. Oktober 2005
Autor: Susanne Haag

Kinder "leiden" nicht am Down-Syndrom

.... sondern nur an den Vorurteilen der Gesellschaft: Die Buchautorin Conny Rapp in der Stadtbücherei Waiblingen.

Waiblingen. "Anders als gewöhnlich – außergewöhnlich" sind die Kinder von Conny Rapp und den anderen Müttern in ihrem Buch. Sie haben ein Chromosom mehr – das Down-Syndrom. In der Stadtbücherei Waiblingen präsentierten sich drei junge, engagierte Frauen, die viel Freude an ihren Kindern ausstrahlten.

Die Autorin Conny Rapp berichtete aus ihrer eigenen Erfahrung: "Als Juliana vor vier Jahren auf die Welt kam, war der Schock groß. Wir waren davon überzeugt, nie mehr lachen zu können." Dazu zeigt sie das Bild eines hübschen neugeborenen Mädchens mit der Überschrift: Juliana – 1 Tag alt", und die gut 50 Besucher spüren, dass dabei trotz des Schocks schon sehr viel Stolz und Liebe im Spiel war.

Im Krankenhaus habe sie ein altes Medizin-Lexikon bekommen, "in dem von mongoloider Idiotie und einer Lebenserwartung zwischen 25 und 40 Jahren die Rede war", berichtet die zierliche Frau, die Personalleiterin in einem Medienunternehmen war. Über eine Ärztin habe sie nach zwei Monaten Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe bekommen. Das erste Treffen mit anderen Müttern und Kindern in der gleichen Situation habe etwas in ihr ausgelöst: "Es ging richtig lustig zu." Das zeigt anschaulich das Bild auf der Leinwand mit sechs kleinen Kindern auf einem Sofa, die offensichtlich viel Spaß haben.

Die Idee zu ihrem Buch über die positiven Seiten des Lebens mit Down-Syndrom-Kindern entstand, als sie einer Freundin Urlaubsfotos zeigte, auf denen man sah, wie viel Freude sie und Tochter Juliana aneinander hatten. Die anderen Mütter mit ihren Kindern waren schnell von dem Projekt überzeugt, mit einem Buch "nicht nur frisch gebackenen Eltern Mut zu machen, sondern auch Vorurteile und Hemmungen in der Gesellschaft abzubauen".

Aus diesem Werk präsentiert Conny Rapp einige Bilder, gefühlvoll untermalt mit einer bekannten Ballade von Elten John: "How wonderful life is, while you're in the world". Der Stolz und die Freude der Mütter an ihren Kindern ist auf den Fotos mit den fröhlichen, lachenden und schmusenden Menschen deutlich zu sehen. Das Bild von Tim mit dem hochgestreckten Daumen zum Beispiel scheint zu sagen: "Alles o.k. bei mir.

Maren Krebs, Mutter des inzwischen Sechseinhalbjährigen, trägt einen Text über die erste schwere Zeit und die folgende Erkenntnis der Stärken ihres Sohnes vor. Fazit: Danke, dass es dich gibt.

Stephanie Sproll bezeichnet ihren Sohn Jakob in ihrer Geschichte als "besonderes Kind, nicht weil er Down-Syndrom hat, sondern weil er unser Kind ist, mit all seinen Eigenheiten, Ecken und Kanten."

So nimmt ein ermutigender Abend seinen Lauf – und ein unterhaltsamer: Denn einen ebenfalls "außergewöhnlichen" Genuss bereiten den begeistert applaudierenden Gästen die Musiker des "Schwebenden Orchesters" der Diakonie Stetten mit der Eigenkomposition "Das Meer", einer Variation des Schlagers "Bei mir bist du schön" und einer Anlehnung an die Klänge der "Moldau".

Sehr unterschiedlich – wie alle anderen Kinder auch

Im Anschluss an die Buchpräsentation gibt es viele Fragen aus dem Publikum, viele Zuhörer sind selbst Betroffene. Die drei Frauen – jede hat mittlerweile ein zweites Kind mit regulärer Chromosomenzahl – beantworten diese Fragen sehr persönlich. Sie haben für ihre Kinder unterschiedliche Kindergarten- und Schulformen gewählt, neben der Sprache unterschiedliche Formen der Verständigung und vertreten verschiedene Standpunkte über Fruchtwasseruntersuchungen. Denn, und darauf legte Stephanie Sproll besonderen Wert: "Unsere Kinder sind sehr unterschiedlich, wie alle anderen Kinder auch."

Was Conny Rapp, Maren Krebs und Stephanie Sproll allerdings von vielen anderen Eltern unterscheidet ist, dass sie die Erkenntnis machen mussten oder durften: "Jeder Mensch ist einzigartig, egal wie viele Chromosomen er hat."
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