Kampf um eine ganz
"normale" Schullaufbahn
Mit seinen fünf Jahren unterscheidet sich Jakob äußerlich nicht von anderen Kindern. Ein wenig kleiner ist er zwar, aber vom Down-Syndrom, das früher auch als Mongolismus bezeichnet wurde, ist bei ihm nichts zu sehen.

Stephanie Sproll, Jakobs Mutter, sperrt sich gegen den Begriff Behinderung: "Im Englischen heißt es schließlich auch Menschen mit besonderen Bedürfnissen", sagt sie. Für sie ist das alles andere als eine Wortklauberei, möchte sie ihrem Sohn doch alle Möglichkeiten offen halten: "Wenn ich ihm von vornherein etwas nicht zutraue, wird er es auch nicht lernen. Und letztlich hat jedes Kind Begabungen und Defizite." Schließlich hätten die Menschen mit Down-Syndrom lediglich eine andere genetische Struktur. Denn statt zwei Chromosomen gibt es an der 21. Stelle drei davon. Daher stammt auch der medizinische Fachbegriff Trisomie 21.
So selbstverständlich wie heute ging Stephanie Sproll anfangs allerdings nicht mit dem Gendefekt um. Genährt durch veraltete Fachliteratur hatte sie das Bild eines vollkommen hilflosen und unselbständigen Menschen im Kopf, der auch als Erwachsener noch an der Hand der Mutter läuft. "Das ist leider das Bild, das in vielen Köpfen herumgeistert", sagt sie. So sei es nicht einfach gewesen, Jakob in einem "normalen" Kindergarten unterzubringen. Oft habe es Bedenken seitens der Erzieherinnen gegeben. Und bisweilen hätten Eltern Angst, dass ihren Kindern dann weniger Aufmerksamkeit geschenkt würde. Nach längerer Suche wurden Jakobs Eltern fündig.
Doch bereits heute stehen sie vor dem nächsten Problem: "Unser Sohn soll eine Grund- und keine Förderschule besuchen", sagt Stephanie Sproll. So genannte Kleinklassen, in denen behinderte und nicht behinderte Kinder in einigen Fächern zusammen unterrichtet werden, geben ihr Hoffnung, auch dieses Ziel zu erreichen. Denn ansonsten sei der Weg klar vorgegeben – Sonderschule für geistig Behinderte. "Wie sich ein Kind entwickelt, hängt viel von den äußeren Faktoren ab", sagt sie. So hatten früher nur wenige der Kinder mit Down-Syndrom schreiben und lesen gelernt. Es hatte ihnen nur niemand zugetraut. Doch mittlerweile könnten das fast alle. Jakobs unbestrittener Vorteil ist, dass man ihm das Down-Syndrom nicht auf den ersten Blick ansieht. Auch blieben ihm Krankheiten wie Leukämie oder ein Herzfehler erspart – welche häufige Begleiterscheinungen bei der Trisomie 21 sind. So wird ihm automatisch mehr zugetraut und das, obwohl das Aussehen kein Indikator dafür ist, wie stark das Down-Syndrom ausgeprägt ist. Für Stephanie Sproll hingegen steht fest: "Behindert ist man nicht, behindert wird man." Und so kämpft sie weiter für eine möglichst "normale" Schullaufbahn ihres Sohnes. |