Er singt wie ein Zeisig
PLOCHINGEN: Julius liebt Opern und seine Barbies
Wer ist der größte Fetz der drei Buben? Ich, sagt Julius sofort und grinst schelmisch. Der Neunjährige spielt gerne mit seinen beiden großen Brüdern und die mit ihm. Auch wenn die Interessen oft sehr unterschiedlich sind: Der 15-jährige Nikolaus und der zwölfjährige Jan mögen Autos und Legos. Julius liebt seine Barbiepuppen in Glitzerkleidern und ein rosa schillerndes Barbie-Pferd. Da gibt es garantiert keinen Streit. Wobei Mutter Verena Könekamp meint, dass ihre beiden Großen fast zu lieb mit Julius umgehen, der mit Down-Syndom geboren wurde: Ich hab' ihnen gesagt, dass sie ihn ruhig aus dem Zimmer werfen dürfen, wenn er ihr Lego-Bauwerk zertstört hat. Während Nikolaus und Jan zum Beispiel die Brachial-Rocker Rammstein hören, liebt Julius klassische Musik und vor allem Opern. Derzeit hört er stundenlang Carmen, verkleidet sich passend zum Stück, kennt die Handlung genau und singt wie ein Zeisig, sagt sein Vater Burkhard Wolf. Der kann es beurteilen, schließlich ist er Musiklehrer am Gymnasium Plochingen.
So wird er tougher
In die Schule geht Julius nicht so gerne. Sagt er. Morgens meckert er, mittags sei er begeistert, korrigieren die Eltern. Sie finden allerdings die Fahrtzeit recht strapaziös für den Neunjährigen: Um 7.30 Uhr wird er vom Plochinger Stumpenhof abgeholt, an der Rohräckerschule Esslingen muss er in einen anderen Bus steigen, der ihn zur Nellinger Klosterhofschule bringt. Eine Stunde ist er unterwegs, zurück eine Dreiviertelstunde. Das nehmen die Eltern aber in Kauf, weil Julius in der Klasse 3 c etwa 70 Prozent der Unterrichtszeit mit den nicht-behinderten Kindern der 3 b verbringt. Ich finde Integration absolut wichtig für unsere Gesellschaft, sagt Verena Könekamp. In der Rohräckerschule würde er behüteter aufwachsen. Das wäre zwar einfacher für ihn, aber so lernt er viel mehr, wird lebenstüchtiger und tougher.
Über ein Erlebnis hat sich das Paar Könekamp/Wolf sehr gefreut: Obwohl sie evangelisch sind, kam 14 Tage nach Julius' Geburt die Leiterin des katholischen Kindergartens auf dem Stumpenhof auf sie zu und bot an, dass Julius ihren Kindi besucht. Das hat er dann auch getan.

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