Ein Eis mit Harald Schmidt
STUTTGART: Massive Töne schieben den Kinderwagen, Schraubenkönig Würth streckt die Zunge raus und TV-Arzt Walter Sittler legt sich flach für den Kalender
Die Hip-Hop-Gruppe Massive Töne machte Stuttgart Mitte der 90er Jahre zur Hauptstadt der Kopfnicker. Nun bewiesen Schowi, Ju und DJ5terTon, dass sie gut mit Kindern umgehen können. Die jungen Männer, alle Jahrgang 1974, schoben sofort den Kinderwagen der zweijährigen Leonie, schenkten ihr eine Brezel und posierten brav mit ihr auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Und das für einen guten Zweck, den Kalender 2007 der Elterninitiative 46 plus.

Vierzehn berühmte Baden-Würtemberger hat die Stuttgarter Gruppe für ihr Mammutprojekt zusammengetrommelt zwölf Monate, das Deckblatt mit Harald Schmidt und den Dezember 2006 noch vorneweg. Ein Jahr lang hat es gedauert, zu den Promis vorzudringen und die ganzen Termine fürs Fotoshooting unter Dach und Fach zu bringen. Die meisten waren sofort bereit, bei dem Projekt mitzumachen, erzählt Conny Wenk, Gründungsmitglied des Stuttgarter Down-Syndrom-Vereins, die selbst fotografiert hat.
Lästermaul Harald Schmidt lässt sich selten vor wohltätige Karren spannen. Es gibt Sachen, da macht man einfach gern mit, meinte er. Und so löffelt der Ex-Nürtinger und Vierfach-Vater auf dem Titelbild mit dem siebenjährigen Jakob auf dem Schoß einen dicken Eisbecher. Oft hatten die Prominenten zwischen Drehpausen und anderen Terminen nur eine halbe Stunde Zeit, dann musste das Foto im Kasten sein. Late-Night-Talker Schmid nahm sich in der Stuttgarter Eisdiele eineinhalb Stunden. Die Schwierigkeit bereitete das zweite Model: Jakob gab der Fotografin 15 Minuten. Danach hatte er nur noch Augen für sein Eis und nicht mehr für die Kamera, erzählt Conny Wenk. Übrigens: Seit dem Foto-Shooting hat Schmidt einige Stammseher gewonnen...

Die leidenschaftliche Tänzerin Sophie durfte mit dem kanadischen Supertänzer Jason Reilly vom Stuttgarter Ballett posieren. Im rosa Dress tanzte die Elfjährige mit ihm Dornröschen. Ganz unbekümmert lud die kleine Primaballerina ihn zu ihrer Grillparty ein. Die sagte er aus Termingründen ab. Doch schon mehrfach rief der gefragte Tänzer an: Zu der Party des Kalenderteams will er kommen.
Gleich nach der Fotopremiere mit Schauspieler und TV-Arzt Walter Sittler war klar, dass die Kinder sämtliche Fotoideen über den Haufen werfen. Der siebenjährige Tim fürchtete sich vor dem Zwei-Meter-Mann Sittler. Erst beim Abschied fasste er Vertrauen. Spontan legte sich der dreifache Vater Sittler auf den Boden des Stuttgarter Kunstmuseums und bat Tim, ihn doch mit den Kinder-Arzt-Gerätschaften zu untersuchen. Der zweijährige Tim war dagegen sofort umgänglich. Vielleicht half es, dass Maria Furtwängler ihm einen Bagger mitgebracht hatte. Die war gar nicht kühl, korrigiert Conny Wenk den Ruf der Tatort-Kommissarin, die im echten Leben promovierte Ärztin ist und mit dem Rad zum Fototermin kam.

Für das ungewöhnlichste Fotomotiv sorgte Schraubenkönig Reinhold Würth. Der alberte sofort mit Yannik auf dem Sofa herum und streckte ihm die Zunge raus. Das machte der Siebenjährige sofort nach klick. Dass er dieses Foto frei gegeben hat, wundert uns alle, ist Wenk begeistert von dem Professor aus Künzelsau. 14 Fotos das sind 14 Geschichten mit humorvollen, geduldigen, sympathischen Prominenten. Herausgekommen ist ein Kalender mit originellen Motiven. Und mit schönen Bildern von Kindern mit Down-Syndrom. Mit vorteilhaften Fotos gegen Vorurteile anzugehen, genau das ist das Ziel von Conny Wenk und der Initiative 46 plus. Klares Fazit: Ziel erreicht.
Der Kalender wurde von Studierenden der Stuttgarter Kunstakademie gestaltet, Kosten: 18 Euro. Bei der Buchhandlung Stocker & Paulus in Esslingen oder per Mail: fotokalender@46plus.de |