Leben
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In: Cannstatter Zeitung
Datum: 6.11.2006
Autor: Mathias Kuhn
Foto: Mathias Kuhn

Ein Eis mit Harald Schmidt

Luginsland: „46PLUS – Down-Syndrom Stuttgart e. V.“ präsentiert Fotokalender mit Prominenten – Porträts gegen Berührungsängste

Eis löffeln mit Harald Schmidt oder Puls messen bei Schauspieler Walter Sittler – so zeigen sich Kinder mit Down-Syndrom und Prominente auf einem liebenswerten Fotokalender. Mit dem Kalender wollen Eltern von „46PLUS – Down-Syndrom Stuttgart“ auf ihren Verein aufmerksam machen und gleichzeitig Berührungsängste abbauen.

Der „Mann von der Zeitung“ oder gar dessen Fotokamera stören Tim Krebs nicht. Erstens ist er langweilige Fototermine gewöhnt und zudem ist dem Luginsländer sein Flieger wichtiger. Mit seiner Schwester Sina springt er in der Wohnung herum, löchert seine Mutter Maren mit Fragen und spielt dann wieder in seinem Zimmer. „Kinder mit Down-Syndrom stehen mitten im Leben und haben Spaß daran“, sagt Maren Krebs. Tims Freude über die Ferien reißt alle mit. Gleichzeitig räumen Tim und seine Mutter dabei mit dem Klischee auf, dass Down-Syndrom-Kinder „krank“ sind. Tim ist mit einer Genveränderung zur Welt gekommen. „Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das Chromosom 21 in jeder Zelle drei statt zweimal vorhanden, deswegen sprechen Mediziner von Trisomie 21“, erklärt Maren Krebs. Statistisch gesehen ist unter 700 Geburten ein Kind mit Down-Syndrom. Jedes dieser Kinder ist einzigartig in Charakter, Persönlichkeit sowie Ausprägung von Intelligenz und Lernfähigkeit. Vor sieben Jahren haben sich Stuttgarter Eltern mit betroffenen Kindern zunächst zu einer Gruppe zusammengefunden und 2003 den Verein „46PLUS – Down-Syndrom Stuttgart“ gegründet. „Wir treffen uns regelmäßig zu Spielnachmittagen, zum Erfahrungsaustausch und veranstaltet  Infoabende zu Down-Syndrom betreffenden Themen“, berichtet Vorstandsmitglied Krebs. Gleichzeitig sollen Vorurteile, Klischees und Berührungsängste abgebaut werden.

Außergewöhnliche Porträts

Mit einem besonderen Projekt gelingt dies der Gruppe nun auf einzigartige Weise. Der Verein stellte vor kurzem ihren fantastischen Fotokalender 2007 vor. Monat für Monat werden auf dem großformatigen Kalender 14 Mädchen und Jungen mit Down-Syndrom zusammen mit Prominenten in und aus Baden-Württemberg porträtiert. Jakob löffelt mit Harald Schmidt ein Eis, Tim untersucht Schauspieler und TV-Arzt Walter Sittler, Sophie tanzt mit dem ersten Solisten des Stuttgarter Balletts, Jason Reilly oder Cleo schmust im Mai mit Gräfin Bettina Bernadotte – fantastische, humorvolle Fotos, die beweisen, dass Promis und die jungen „Modelle“ Spaß an den Begegnungen hatten. 46plus-Gründungsmitglied Conny Wenk setzte die Szenen aus dem Leben fotografisch liebevoll um und für die Gestaltung des Kalenders konnten die Eltern zudem die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart als Partner gewinnen. Die Studierenden hoben mit ihren grafischen Interpretationen die Charaktere nochmals deutlich hervor. Ein „außergewöhnlicher Kalender“, waren viele der rund 400 Besucher bei der Vorstellung des Kalenders von dem Werk beeindruckt. „Wir sind eben ein moderner Verein mit einem alten Problem“, meint Krebs lachend. Mit dem Kalender wollen die Aktiven das Thema Down-Syndrom bekannter machen und positiv darstellen. „Wir wollen den Weg ebnen, dass Menschen mit Down-Syndrom aktiv und selbst bestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können“, meint Tims Mutter. Integrative Schulen wie im Ausland und andere Wohnformen sind Ziele, damit Tim mit seiner Lebensfreude weiterhin Zeitgenossen begeistern kann.

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