„Wir wollen einen Weg ebnen für unsere Kinder“
Der Verein „46PLUS“ wirbt mit einem Jahreskalender für die Akzeptanz von Kindern mit Down-Syndrom in der Öffentlichkeit
Luginsland. Verstohlenes Hinschauen oder betroffenes Wegschauen – das sind vielfach die Reaktionen, die Mütter von behinderten Kindern mit Down-Syndrom erleben. Der Verein „46PLUS“ will zeigen, dass diese Kinder mitten im Leben stehen. Die Idee war, dafür auch Prominente zu gewinnen. Herausgekommen ist ein Kalender, der zum Hinschauen einlädt.

Die Idee, Fotomodell für einen Kalender zu werden, gefiel dem siebenjährigen Tim zuerst gar nicht. Er wollte sich nicht fotografieren lassen. Der bekannte TV-Seriendarsteller Walter Sittler brach jedoch das Eis und überredete den Jungen mit Schokoladenbonbons zum mitmachen. Jetzt ist Tim stolz, auch im Kalender zu sein.

Nachdem der Verein in den vergangenen Jahren hauptsächlich über Anzeigen, Postkarten und Plakate zum Thema Down-Syndrom an die Öffentlichkeit ging, wollten die Mütter und Väter in diesem Jahr etwas Nachhaltiges schaffen. „Wir haben das Glück, eine gute Fotografin in unserem Verein zu haben“, sagt Maren Krebs aus Luginsland, die Mutter von Tim. Auf diese Weise ist vor einem Jahr ein Buch entstanden, das die Kinder und ihre Familien aus dem Verein porträtiert hat. „Schaut hin, so sieht es aus“, war die Botschaft, die hinter der Aktion stand. „Jetzt wollten wir auch prominente Persönlichkeiten für diesen Kalender gewinnen“, sagt Maren Krebs. Das ist dem Verein gelungen. Die meisten hätten sich sofort bereit erklärt, mitzumachen. Doch bis zum „Shooting“ war einiges zu organisieren. „Wir haben die Arbeit wirklich unterschätzt“, sagt Maren Krebs. Eineinhalb Jahre Vorbereitungszeit waren nötig, um den Kalender zu fertigen. Ganz unterschiedlich waren dann auch die Erfahrungen, die sie dabei gemacht hätten. „Harald Schmidt hat sich zwei Stunden Zeit genommen“, erzählt sie. Er habe sogar zur Vorstellung des Kalenders im BW-Forum eine Videobotschaft geschickt.
„Wir wollen einen Weg ebnen für unsere Kinder“, sagt Maren Krebs, „und aufklären.“ Besonders die Familien, die nach der Diagnose „Down-Syndrom“ nicht wüssten, was sie nun machen sollen. „Die Familien werden nach der Diagnosevermittlung alleine gelassen“, sagt.sie. Auch in Krankenhäusern, bei Hebammen und bei Ärzten leistet der Verein notwendige Aufklärungsarbeit. Maren Krebs kann sich noch gut daran erinnern, wie sie damals darüber informiert wurde, dass Tim ein „Down-Kind“ ist. „Das war zuerst ein Schock“, sagt sie, „ich habe mich anfangs ganz zurückgezogen.“ Man bekomme dann schlechte und veraltete Bücher empfohlen. Auch auf fachlicher Seite sei viel Aufklärungsbedarf. Das will der Verein mit seinen Aktionen und Aktivitäten ändern. Der Kalender soll dazu beitragen. |