Leben
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Kolumne im Januar 2008

Nicht auf diesen Spielplatz

Zwischen den Jahren waren wir wieder viel unterwegs und haben liebe alte Freunde und Verwandte besucht. Eines Mittags beschließen wir, nach dem üppigen Mittagessen mit den Kindern einen kleinen Spaziergang zu machen. Die Kinder meiner Freundin beratschlagen die Route und zu welchem Spielplatz es gehen soll. Auf einmal protestiert ihr sechsjähriger Sohn: „Nein, nicht auf diesen Spielplatz – da sind immer so viele Behinderte!“

Wir Erwachsenen sind erst einmal sprachlos. Meine Freundin, weil ihr das total peinlich ist. Insbesondere weil sie weiß, wie sensibel ich bei diesem Thema reagiere. Und ich, weil ich gar nicht genau sagen kann, auf wenn ich jetzt sauer bin. Auf ihren Sechsjährigen, der unbedacht so etwas dahersagt oder auf die Erwachsenen, die ihm solche Worte wohl erst einmal in den Mund gelegt haben.

Tja, es ist gar nicht so einfach, immer die richtigen Worte zu finden. Aber man kann ja in seinem Freundeskreis ruhig darauf hinweisen, wenn man die ein oder andere Formulierung unglücklich findet. Ich könnte wetten, dass in meinem Freundeskreis keiner mehr von einem Jungen berichtet, der an den Rollstuhl gefesselt ist oder von einem Mädchen erzählt, dass am Down-Syndrom leidet oder erkrankt ist.

Dazu fällt mir am Schluss noch eine kleine Anekdote ein. Mein Mann hatte ein längeres Gespräch mit einem Kollegen. Irgendwann haben sie auch über Privates gesprochen und sein Kollege meinte: „Gell, Eure Tochter ist mongoloid.“ Mein Mann prustete sofort laut los vor Lachen, was seinen Kollegen erstmal völlig verunsicherte. Sofort gab er ihm die Erklärung: „Wenn das jetzt meine Frau gehört hätte, die wäre hochgegangen, wie ein kleines HB-Männchen.“

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