
Zimt & Zauber
Am 22.11.06 war es wieder soweit: Das Kindervarieté Zimt & Zauber fand statt. Diesmal waren wir eingeladen über unseren Verein 46plus, das letzte Jahr war ich schon mit Serge dort, damals kam die Einladung über das Kindergästehaus von der Caritas. Und nachdem Serge inzwischen ein stolzer Erstklässler und somit richtig groß ist, dachte ich, dass er dieses Mal nicht die meiste Zeit unter dem Tisch sitzen würde. Dazu muss ich sagen, dass Serge immer schon sehr ängstlich und manchmal fast schon panisch reagiert hat, wenn er in relativ dunkle Räume gehen sollte. Ob das jetzt eine Veranstaltung vom Kindergarten war oder aber eine Kindervorstellung oder das Planetarium etc. Immer musste man ihn mit sanftem Nachdruck und viel Überredungskunst dazu bringen, überhaupt in den Raum zu gehen und dort sass er dann oft unter dem Tisch oder zwischen den Stühlen. Jetzt ist es nicht so, dass er nicht neugierig wäre oder überall dabeisein möchte. Beim Varieté war Serge sowohl letztes als auch dieses Jahr der erste, der den Arm hochstreckte, als der Clown ein Kind suchte, das zu ihm auf die Bühne kommt. Aber die Angst oder was auch immer steht eindeutig über der Neugierde.
Aber wie gesagt, ich dachte, das gehört der Vergangenheit an und wir können die Vorstellung diesmal in vollen Zügen geniessen. Also sind wir frohen Mutes dorthin gegangen, ich habe ihn extra an diesem Tag nicht in den Hort gehen lassen und auch Serge hat sich darauf gefreut. Allerdings glaube ich, wusste er nicht, was sich seine Mutter da wieder ausgedacht hatte. Er freut sich ja grundsätzlich immer. Schon beim Reingehen ins Gebäude wurden seine Schritte langsamer und mir wurde schon etwas mulmig zumute. Es entspannte sich dann aber, als wir Antje mit Tamara und Kai trafen und wir uns zusammen einen Platz suchten. Später kamen dann noch Stefanie und Jakob dazu. Leider hat die Wiedersehensfreude bei Serge nicht so nachhaltig angehalten, dass er vergessen hätte, wo er sich befand, nämlich in einem etwas abgedunkelten, grossen Saal. Die nächste ¾ Stunde habe ich damit zugebracht, 4 x mit ihm auf die Toilette zu gehen, nachdem ich seine mehrmaligen Aufforderungen zu gehen, ignoriert hatte. Schließlich bin ich wegen dieser Veranstaltung extra früher von der Arbeit gegangen, habe ihn im Hort abgemeldet, der Schule Bescheid gegeben, dass er nicht im Bus mitfährt, von der Schule abgeholt und überhaupt, meine ich es ja nur gut. Möchte meinem Kind doch was bieten. Irgendwann ging es dann los und kaum, dass der Vorhang aufging, sass Serge schon unter dem Tisch. Sein eigentlicher Platz war der neben Tamara und leider hat er es geschafft, auch Tamara ganz verrückt zu machen. Es dauerte ein Weilchen, aber irgendwann kam von Tamara das fast schon unvermeidliche „Mama, ich hab Angst“.
Irgendwann war die Vorstellung zu Ende und Serge durfte endlich gehen. Und ich glaube, seine Glückseligkeit begann zu dem Zeitpunkt, als er seinen Luftballon in Händen hielt. Und ich stand da mit meinem schlechten Gewissen. Ich dachte, ich tue ihm was Gutes, zerre ihn ins Varieté und dabei hätte ich nur einen Luftballon kaufen müssen. Dabei sollte ich es in sieben Jahren doch gelernt haben, dass es nicht die großartigen Dinge sind, an denen Serge seine Freude hat. Ich glaube zwar nicht, dass Serge der Varieté-Besuch geschadet hat, aber gebracht hat er ihm wahrscheinlich auch nichts. Bis vielleicht auf die Erkenntnis, dass es seine Mutter immer noch nicht begriffen hat.
Aber eines habe ich doch mitgenommen: Ich werde auf gar keinen Fall Karten für den Weihnachtscircus kaufen, auch wenn mir Serge immer wieder sagt: Ich auch, ich auch. Denn im Zirkus gibt es keine Tische, unter die man kriechen kann. |