
Die kleinsten Engel bringen
das größte Glück
Hallo lieber Gott,
bald ist Weihnachten und ich glaube, das ist ein guter Zeitpunkt, um noch einmal auf das besondere Geschenk einzugehen, das du uns vor sechs Jahren gemacht hast und für das wir sehr dankbar sind.
Unser Serge hat es uns von Anfang an leicht gemacht. Es blieb einem gar nichts anderes übrig, als ihn innigst zu lieben. Man kann sagen, du hast uns einen von deinen kleinen Engeln ausgeliehen. Dieser Engel ist inzwischen 6 ½ Jahre alt und damit nicht mehr ganz so leicht zu handhaben, wie als zweijähriges Kleinkind. Aber das weißt du natürlich, du hast ganz sicher eben diesen Serge für uns ausgesucht. Warum eigentlich - haben wir uns nicht inzwischen ein bisschen Ruhe verdient, wir sind ja schließlich nicht mehr die Jüngsten? Aber es ist schon in Ordnung, man sagt ja, jeder bekommt das, was er sich wünscht oder etwas Besseres. Und ganz offensichtlich wollten wir noch keine Ruhe.
Nun ja, jedenfalls Serge hat unendlich Power und fordert ganz schön und ich möchte nicht verhehlen, dass ich streckenweise ziemlich erledigt bin.
Trotzdem, wir möchten auf die Zeit mit ihm nicht verzichten. Er gibt so unendlich viel. Er macht selbst aus einer harmlosen Umarmung eine Liebkosung, die einem durch und durch geht, man kann gar nicht genug davon bekommen. Wenn ich mich beispielsweise stoße und ein "Aua" habe, wird dieses ebenso von ihm besungen, wie ich das bei ihm mache. Es kann sein, dass man ganz unvermittelt umarmt und geküsst wird, einfach so. Bei uns Menschen mit dem "normalen Chromosomensatz" muss es ja oft erst einen Anlass dafür geben. Immer wieder stelle ich fest, dass Serge wirklich aus dem Moment heraus lebt und handelt. Und er liebt seine Mitmenschen. Ist er unterwegs oder warten wir morgens zusammen auf den Bus - ausnahmslos jeder wird gegrüßt.
Ganz besonders schön ist es für mich zu sehen, dass sein persönlicher Schutzengel immer bei ihm ist. Für Serge ist er ganz offensichtlich sichtbar, denn er spielt und spricht mit ihm. Ich wünsche ihm, dass er sich dieses "Sehen" noch ganz lange bewahren kann.
Und dann wollten wir dir noch für seine Gesundheit danken, denn außer dem bisschen Down-Syndrom ist er kerngesund.
Dazu fällt mir am Schluss noch eine kleine Begebenheit ein, die sich zugetragen hatte, als Serge noch ganz klein war. In unserem Bekanntenkreis gibt es eine nette ältere Dame, die schon unsere großen Kinder kannte als sie noch ganz klein waren. Und jedes Mal, wenn ich sie mit Serge getroffen habe, bemerkte ich, dass sie Serge immer ein bisschen fragend betrachtete (ich hatte ihr noch nichts über das Down-Syndrom erzählt). Irgendwann sagte sie dann sinngemäß zu mir, dass Serges großer Bruder Yves ganz anders ausgesehen hätte. Als ich ihr erklärte, dass Serge das Down-Syndrom hat, überlegte sie kurz und meinte dann freudig: "Aha, na ja – aber Hauptsache gesund." |