Leben
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Kolumne im April 2005

Vertrauen

„Du denkst an die Fenster, ja?“ Und Pamela seufzt leise: „Ja ja, ich weiß.“

So oder so ähnlich verläuft unser Gespräch, wenn Pamela - eine junge Frau aus unserem Haus, die manchmal auf Serge aufpasst - ihn zu sich holt. Ich bin darüber zwar immer ganz froh, aber Pamela wohnt im dritten Stock (!!!!). Für mich der absolute Albtraum.

Ich kann gar nicht genau sagen, ab wann ich diese Angst verspürte. Wahrscheinlich ab dem Zeitpunkt, als Serge anfing, die Welt auf eigenen Beinen zu erforschen. Vielleicht aber auch ab da, als ich mit Serge bei seiner großen Schwester war und ich dazu kam, wie er mit seiner fast gleichaltrigen Nichte bei geöffnetem Fenster im zweiten Stock auf der Fensterbank saß. Oder ab dem Zeitpunkt, als ich bei Pamelas Mutter beim Kaffee war und sich die ebenfalls anwesende Oma der Familie mit Serge auf dem Arm aus dem Fenster lehnte, um ihm was zu zeigen. Ich war zwar nicht schnell genug, um das zu verhindern (hatte aber auch nicht mit soviel Unverstand gerechnet), aber dann doch wieder blitzschnell, um ihr Serge wieder abzunehmen. Sie reagierte dann zwar etwas beleidigt und meinte, sie hätte selbst fünf Kinder großgezogen und kenne sich aus etc. Das war und ist mir kein Trost, denn Serge ist oft einfach unberechenbar in seinen Reaktionen. Das eine Mal bleibt er ruhig auf dem Arm, das andere Mal hüpft er einem unvermittelt runter. Und ob er dabei einen Unterschied macht, ob er am offenen Fenster steht oder sicher in einem geschlossenen Raum – ich weiß es nicht.

Ich bin jedenfalls erst mal beunruhigt, wenn jemand Serge einlädt und ich noch nicht weiß, in welchem Stockwerk die Familie wohnt. Und wenn ich es weiß, lautet einer meiner Sätze zwingend: „Du denkst an die Fenster, ja?“

Vor kurzem wurde Serge zu einer Kindergartenfreundin eingeladen und ich wusste noch nicht, in welchem Stockwerk die Familie wohnt. Natürlich habe ich gefragt und prompt war es der zweite Stock. Mich hat das Ganze so nervös gemacht, dass ich kurz davor war, das Treffen abzusagen. Aber so geht es ja auch nicht. Ich habe dann auch meinen Mann um Rat gefragt und er meinte dann: „Dann musst du halt Vertrauen haben“. Und damit hat er wohl Recht. Aber ich frage mich trotzdem, ob ich diese Angst jemals loswerde.

Es ist wohl an der Zeit, Gott nicht nur dafür zu danken, dass er uns Serge gegeben hat, sondern auch dafür, dass er Serge so gut beschützt und wir noch lange mit ihm zusammen sein dürfen.

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