
Hurra – ein Kind mit Down-Syndrom!
Klingt ein bisschen zu euphorisch oder vielleicht sogar ironisch? Ganz im Gegenteil. Sie sollten mich mal sehen, wenn ich bei meinem Stadtbummel ein anderes Kind mit Down-Syndrom erblicke. Am liebsten würde ich mich gleich der Familie vorstellen, sie in ein Gespräch verwickeln und stolz erzählen, dass ich auch eine Tochter habe, die ein Chromosom mehr hat. Manchmal scheint es mit meiner Euphorie auch etwas zu weit zu gehen. In unserer Elterngruppe hatten wir uns eines Abends mal überlegt, ob es vielleicht Sinn machen würde, wenn einer von uns neu betroffene Elternpaare nach der Geburt ihres Kindes im Krankenhaus besuchen würden, um ihnen Mut zu machen. Aufgrund meines Optimismus fiel dabei die Wahl auch auf mich, allerdings wurde uns schnell bewusst, dass ich dafür wohl die am wenigsten geeignete Person wäre. Stellen Sie sich die Situation doch einmal bildlich vor: Ich würde wahrscheinlich mit einem breiten Lächeln im Gesicht die Tür öffnen und voller Freude lauthals hineinrufen: "Herzlichen Glückwunsch! Hurra, ein Baby mit Down-Syndrom!" Und noch bevor ich überhaupt weiteres sagen könnte, hätte das junge Elternpaar schon die Pistole aus dem Nachttisch gezückt. Dass einem nach der Diagnosemitteilung ganz anders zumute ist, scheine ich manchmal schon wieder vergessen zu haben. Dabei ging es uns damals doch auch richtig schlecht. Die ersten drei Tage nach der Geburt unserer Tochter haben wir wahrscheinlich nur geweint und ich bin froh, keine Pistole im Nachttisch gehabt zu haben (Metapher!!!). Wir waren davon überzeugt, nie mehr lachen zu können.
Erst als Juliana uns nach drei Monaten das erste mal angelächelt hat, ging es bergauf. Und als wir nach neun Monaten endlich Gewissheit hatten, dass wir uns wegen ihres Herzfehlers keine Sorgen mehr zu machen brauchten, ging es noch steiler bergauf. Juliana hat ihr ganz eigenes Tempo, aber daran haben wir uns schnell gewöhnt. Heutzutage ist sowieso alles viel zu schnelllebig, ein bisschen verweilen tut da manchmal richtig gut. Und wir wissen: irgendwann sind auch wir dort. Jeder neu erreichte Meilenstein ist dann wie Weihnachten und Ostern an einem Tag.
Ich liebe meine Tochter einfach so wie sie ist. Und ich bin wahnsinnig froh, dass sie da ist. Diese Freude hat sich auch auf all unsere Verwandten und Freunde übertragen, die inzwischen ihre Berührungsängste vor Kindern mit besonderen Fähigkeiten verloren haben und sich gerne anstecken lassen von der überschäumenden Begeisterungsfähigkeit und Fröhlichkeit unserer Kinder. Sie versprühen einen Charme, dem man nur schwer erliegen kann. Von ihrem Zauber ist inzwischen auch meine Freundin befallen. Letzte Woche war sie mit ihrem dreijährigen Sohn im Schuhladen und hat dort einen etwa gleichaltrigen Jungen mit Down-Syndrom erblickt, den sie unwiderstehlich süß fand. Sie ist ihm und seiner Mutter über mindestens fünf Schuhregale gefolgt und hätte die beiden am liebsten angesprochen. ..... Hurra, ein Kind mit Down-Syndrom!
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